Rechtliches 📖 10 Min. Lesezeit 📅 20. Januar 2024

Cannabis auf Rezept: So erhalten Sie ein Rezept für Cannabis-Extrakte

Alles über Cannabis-Rezepte in Deutschland: Voraussetzungen, der Weg zum Rezept, Kosten und Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

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Dr. Igor Kovalenko
Autor

Cannabis auf Rezept in Deutschland

Seit dem 10. März 2017 können Ärzte in Deutschland Cannabis zu medizinischen Zwecken verschreiben. Dieser Guide erklärt den Weg von der ersten Überlegung bis zum Rezept in der Apotheke.


Wer kann ein Cannabis-Rezept erhalten?

Gesetzliche Voraussetzungen (§ 31 Abs. 6 SGB V)

  1. Schwerwiegende Erkrankung liegt vor
  2. Andere Therapien haben versagt oder sind nicht möglich
  3. Aussicht auf Besserung besteht nach ärztlicher Einschätzung

Häufige Indikationen

  • Chronische Schmerzen (Rücken, Gelenke, Nerven)
  • Multiple Sklerose mit Spastik
  • Übelkeit bei Chemotherapie
  • Appetitlosigkeit bei Krebs/AIDS
  • ADHS (in Einzelfällen)
  • PTBS und chronische Angstzustände
  • Schlafstörungen (therapieresistent)

Der Weg zum Rezept

Schritt 1: Geeigneten Arzt finden

  • Hausarzt: Kann grundsätzlich verschreiben, oft zurückhaltend
  • Facharzt: Schmerzmediziner, Neurologen, Onkologen
  • Spezialisierte Praxen: Cannabis-erfahrene Ärzte (wachsende Zahl)
  • Telemedizin: Online-Sprechstunden für Cannabis-Verschreibungen

Schritt 2: Vorbereitung

Bringen Sie zum Arzttermin mit:

  • Befunde über Ihre Erkrankung
  • Dokumentation bisheriger Therapieversuche
  • Arztbriefe über fehlgeschlagene Behandlungen
  • Ggf. Medikamentenplan

Schritt 3: Arztgespräch

Der Arzt wird prüfen:

  • Diagnose und Krankheitsverlauf
  • Bisherige Therapieversuche
  • Eignung für Cannabis-Therapie
  • Kontraindikationen (Psychosen, Herzerkrankungen, Schwangerschaft)

Schritt 4: Rezeptausstellung

Bei positiver Entscheidung erhält der Patient ein BtM-Rezept (gelbes Betäubungsmittelrezept) mit:

  • Genaue Produktbezeichnung
  • Dosierung und Menge
  • Einnahmehinweise

Schritt 5: Einlösen in der Apotheke

  • Nur BtM-berechtigte Apotheken
  • Ggf. Bestellzeit (nicht alle Produkte vorrätig)
  • Identitätsprüfung erforderlich

Kosten und Kostenübernahme

Privatrezept (Selbstzahler)

  • THC-Öle: ca. 150-500€/Monat
  • Dronabinol: ca. 300-800€/Monat
  • Kapseln: ca. 150-400€/Monat
  • Sativex: ca. 350-500€/Monat

Kassenrezept

Die Krankenkasse muss vor Therapiebeginn um Genehmigung gebeten werden. Nur bei Erstverordnung gibt es einen Genehmigungsvorbehalt.

Genehmigungsquote: ca. 60-70% werden genehmigt

Ablehnungsgründe:

  • Keine schwerwiegende Erkrankung
  • Nicht alle Alternativen ausgeschöpft
  • Mangelhafte Begründung des Arztes

Tipps für die Genehmigung

  1. Ausführliche ärztliche Begründung
  2. Dokumentation aller fehlgeschlagenen Therapien
  3. Bei Ablehnung: Widerspruch einlegen (Erfolgsquote ~50%)

Häufige Fragen

Kann mich mein Hausarzt ablehnen?

Ja, kein Arzt ist zur Verschreibung verpflichtet. Suchen Sie in diesem Fall einen spezialisierten Arzt.

Darf ich mit Cannabis-Medikamenten Auto fahren?

Grundsätzlich ja, wenn Sie fahrtüchtig sind. Die Verantwortung liegt beim Patienten. Ein ärztliches Attest ist empfehlenswert.

Kann ich mein Rezept in jeder Apotheke einlösen?

Nur in BtM-berechtigten Apotheken. Viele haben sich auf Cannabis spezialisiert.

Fazit

Der Weg zum Cannabis-Rezept erfordert Geduld und gute Vorbereitung. Mit der richtigen Dokumentation und einem erfahrenen Arzt ist die Verschreibung aber für viele Patienten möglich.

Tags
#Rezept #Krankenkasse #Rechtliches #BtM

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