Vergleich 📖 15 Min. Lesezeit 📅 1. Februar 2024

CBD vs. THC: Unterschiede, Wirkungen und Anwendungen

Ein umfassender Vergleich von CBD und THC: Chemische Unterschiede, Wirkungsprofile, rechtliche Aspekte und welches Cannabinoid für welche Beschwerden geeignet ist.

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Dr. Igor Kovalenko
Autor

CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol) sind die beiden bekanntesten Cannabinoide der Cannabis-Pflanze. Obwohl sie aus derselben Pflanze stammen, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Wirkung, rechtlichen Stellung und therapeutischen Anwendung.


Chemische Grundlagen

Molekulare Struktur

CBD und THC haben dieselbe Summenformel (C₂₁H₃₀O₂), unterscheiden sich aber in der räumlichen Anordnung der Atome. Dieser scheinbar kleine Unterschied hat große Auswirkungen auf die Wirkung im Körper.

Interaktion mit dem Endocannabinoid-System

Das körpereigene Endocannabinoid-System spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Schmerz, Stimmung, Appetit und Immunfunktion. CBD und THC interagieren auf unterschiedliche Weise mit diesem System:

THC bindet direkt an CB1-Rezeptoren im Gehirn, was zur charakteristischen psychoaktiven Wirkung führt. Diese direkte Bindung ist verantwortlich für das “High”-Gefühl sowie die schmerzlindernden und appetitanregenden Effekte.

CBD hingegen bindet nicht direkt an die Cannabinoid-Rezeptoren, sondern moduliert deren Empfindlichkeit und beeinflusst andere Rezeptorsysteme wie Serotonin- und Vanilloid-Rezeptoren. Das Ergebnis: Therapeutische Wirkungen ohne Bewusstseinsveränderung.


Wirkungsvergleich

THC – Psychoaktive Effekte

THC ist bekannt für seine bewusstseinsverändernden Eigenschaften. Die wichtigsten Wirkungen umfassen:

  • Euphorie (“High”) – Das charakteristische Glücksgefühl
  • Veränderte Wahrnehmung – Zeitgefühl und sensorische Wahrnehmung verändern sich
  • Gesteigerte Sinneswahrnehmung – Musik, Essen und Farben werden intensiver erlebt
  • Tiefe Entspannung – Körperliche und mentale Relaxation
  • Appetitanregung – Der sogenannte “Heißhunger”
  • Schmerzlinderung – Effektive Analgesie bei chronischen Schmerzen

CBD – Nicht-psychoaktive Effekte

CBD bietet therapeutische Vorteile ohne Rauschzustand:

  • Angstlösung – Beruhigende Wirkung bei Angstzuständen und Panikattacken
  • Entzündungshemmung – Reduziert entzündliche Prozesse im Körper
  • Krampflösung – Besonders wirksam bei Epilepsie
  • Neuroprotektiv – Schützt Nervenzellen vor Schäden
  • Antipsychotisch – Kann psychotische Symptome mildern
  • Keine Bewusstseinsveränderung – Volle Alltagstauglichkeit bleibt erhalten

Medizinische Anwendungen

THC wird eingesetzt bei:

  1. Chronischen Schmerzen – Rücken-, Gelenk- und Nervenschmerzen
  2. Übelkeit und Erbrechen – Besonders bei Chemotherapie
  3. Appetitlosigkeit – Bei AIDS-Wasting oder Krebs-Kachexie
  4. Spastik – Muskelverkrampfungen bei Multipler Sklerose
  5. Schlafstörungen – Therapieresistente Insomnie

CBD wird eingesetzt bei:

  1. Epilepsie – Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom
  2. Angststörungen – Generalisierte Angst, soziale Phobie
  3. Entzündlichen Erkrankungen – Arthritis, Morbus Crohn
  4. Psychosen – Ergänzend zur Standardtherapie
  5. Neuropathischen Schmerzen – Nervenbezogene Schmerzformen

Rechtliche Situation in Deutschland

THC

  • Klassifiziert als Betäubungsmittel nach BtMG
  • Ausschließlich auf Betäubungsmittelrezept (BtM) erhältlich
  • Ärztliche Verschreibung zwingend erforderlich
  • Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen möglich

CBD

  • Nicht dem BtMG unterstellt
  • Frei verkäuflich bei THC-Gehalt unter 0,2%
  • Verschreibungspflichtig in höheren Konzentrationen
  • Kassenleistung nur in begründeten Ausnahmefällen

Nebenwirkungen im Vergleich

NebenwirkungTHCCBD
PsychoaktivJaNein
MundtrockenheitHäufigSelten
AppetitänderungSteigerungNeutral
SchläfrigkeitMöglichMöglich
Angst/ParanoiaBei ÜberdosisNein
AbhängigkeitspotenzialGeringKeine

Der Entourage-Effekt: Besser zusammen

Eine besondere Eigenschaft der Cannabinoide ist ihre synergistische Wirkung. CBD kann die Nebenwirkungen von THC aktiv modulieren:

  • Reduziert Angst und Paranoia, die bei höheren THC-Dosen auftreten können
  • Verlängert die Wirkdauer des therapeutischen Effekts
  • Verbessert die Verträglichkeit der Gesamttherapie

Aus diesem Grund sind Kombinationspräparate wie Sativex (THC:CBD im Verhältnis 1:1) oft besser verträglich als reines THC. Der Entourage-Effekt erklärt auch, warum Vollspektrum-Extrakte häufig wirksamer sind als isolierte Einzelwirkstoffe.


Fazit: Welches Cannabinoid ist das richtige?

Die Wahl zwischen CBD und THC hängt von der individuellen Indikation und den persönlichen Präferenzen ab:

Nur CBD eignet sich bei:

  • Angststörungen ohne Schmerzkomponente
  • Entzündlichen Erkrankungen
  • Epilepsie
  • Bedarf an voller Alltags- und Fahrtauglichkeit

Nur THC eignet sich bei:

  • Starken chronischen Schmerzen
  • Chemotherapie-induzierter Übelkeit
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • Therapieresistenten Schlafstörungen

Eine Kombination beider Cannabinoide ist sinnvoll bei:

  • Komplexen Beschwerdebildern
  • Bedarf an besserer Verträglichkeit
  • Wunsch nach dem Entourage-Effekt

Wichtig: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie beste Option. Die Cannabis-Therapie ist individuell und sollte professionell begleitet werden.

Tags
#CBD #THC #Vergleich #Grundlagen

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